8,5 Millionen Analysen im Jahr. 6.000 Röhrchen am Tag. 52 medizinisch-technische Mitarbeitende. Und seit Anfang 2025 uLab Mobile im selben Raum – ohne Zaun und ohne freigeräumten Gang.
Das Zentrallabor der Universitätsmedizin Essen arbeitet seit 2004 in einem Großraumlabor von fast 800 Quadratmetern in einem einzigen Raum. Seit 2019 läuft dort eine rund 30 Meter lange Siemens-Laborstraße, an die Analysensysteme unterschiedlicher Hersteller angebunden sind. Für 33 Kliniken mit rund 1.700 Betten werden 8,5 Millionen Analysen im Jahr durchgeführt - täglich etwa 6.000 Röhrchen und rund 2.000 Anforderungen, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Das Labor ist nach DIN EN ISO 15189 durch die Deutsche Akkreditierungsstelle akkreditiert.
Genau in einem solchen Labor zeigt sich die Grenze stationärer Automation. Die Laborstraße verbindet, was auf ihr liegt. Alles, was daneben passiert, bleibt Handarbeit: der Weg zu einem Spezialarbeitsplatz, das Beschicken eines Geräts, das nicht am Track hängt, die Übergabe von der Rohrpost an die Straße. Bei 52 medizinisch-technischen und 7 akademischen Mitarbeitenden ist jede Stunde für Wege eine Stunde, die für Analytik fehlt.
Automatisiert wurden nicht die Analysen - die laufen seit Jahren auf der Laborstraße - sondern die Arbeit zwischen den Geräten. Der Jahresbericht 2024 der Universitätsmedizin Essen benennt drei Aufgabenfelder für den mobilen Roboter:
Der dritte Punkt ist der interessanteste. Essen betreibt eine Hochdruck-Rohrpost, die beide zentralen Notaufnahmen mit dem Zentrallabor verbindet. Die Proben treffen in Sekunden ein - und warten dann, bis jemand sie an die Straße gibt. Genau dieser Übergabepunkt zwischen zwei sehr schnellen Systemen war die manuelle Lücke.
Die Anforderung war deshalb nicht Geschwindigkeit, sondern Koexistenz: Arbeiten in einem Großraumlabor, in dem gleichzeitig knapp sechzig Menschen unterwegs sind - ohne Schutzzaun, ohne feste Route, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen.
Seit Ende 2024, im Routinebetrieb seit Januar 2025, ergänzt uLab Mobile von United Robotics Group die stationäre Automation im Zentrallabor. Das Klinikum beschreibt das Betriebsmodell als Hybrid-Betrieb von Mensch und Roboter im gleichen Raum - Mitarbeitende und Roboter teilen sich dieselbe Fläche, ohne räumliche Trennung.
Wie der Roboter dort arbeitet, in den Worten des Klinikums aus dem Jahresbericht 2024:
Das Klinikum fasst die Kombination so zusammen: Stationäre Robotik in Form der Laborautomationsstraße, verbunden mit mobiler Service-Robotik, führt zu einer verbesserten Anpassungsfähigkeit an individuelle Arbeitsabläufe bei räumlicher Flexibilität.
Eine Klarstellung: Die Akkreditierung nach DIN EN ISO 15189 gilt dem Labor, nicht dem Roboter. uLab Mobile ist kein ab Werk validiertes GxP-System.
Das Klinikum hat keine Zahlen zu eingesparten Wegstrecken, Durchlaufzeiten vor und nach der Einführung oder freigewordenen Stunden veröffentlicht. Wir haben sie auch nicht, deshalb behauptet diese Seite sie nicht. Veröffentlicht ist der Kontext, in dem der Roboter arbeitet:
Zur Wirkung ist das Klinikum in seinem Jahresbericht 2024 in einem Punkt deutlich: Die Robotik entlastet und unterstützt das Fachpersonal im Labor, Arbeitsplätze fallen dadurch nicht weg. Dr. Marc Wichert, Leiter des Zentrallabors, wird dort mit den Worten zitiert, der Roboter arbeite KI-gestützt und sei eine sehr gute Ergänzung zur stationären Robotik.
Quelle für alle Zahlen und Zitate auf dieser Seite: Universitätsmedizin Essen, Jahresbericht 2024, „Mobiler Service-Roboter entlastet Fachkräfte im Zentrallabor", sowie die Seiten des Zentrallabors unter zentrallabor.uk-essen.de. Abgerufen am 29. August 2026.
Die Aufgabe in Essen ist nicht Essen-spezifisch. Sie entsteht überall dort, wo eine stationäre Automationsstraße existiert und die Arbeit daneben manuell bleibt:
Gemeinsamer Nenner ist nicht die Fachrichtung, sondern die Anzahl der Übergabepunkte zwischen automatisierten Inseln. Je mehr davon, desto größer der Anteil qualifizierter Arbeitszeit, der für Wege und Griffe draufgeht.
Nennen Sie uns die zwei Transporte, die Sie am meisten Zeit kosten. Eine Ingenieurin oder ein Ingenieur antwortet innerhalb von zwei Arbeitstagen – mit einer Antwort, nicht mit einem Prospekt.
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